Disruptive Innovationen brauchen eine freigeistige Unternehmenskultur

Industrie 4.0 zum Anfassen: Darum steigern 24% der Unternehmen aus der deutschen Industrie mit Industrie 4.0 ihren Unternehmenserfolg signifikant

Was macht Amazon so erfolgreich? Wann sind Innovationen disruptiv? Und was müssen etablierten Unternehmen anders machen als bisher, um von den Möglichkeiten der Digitalisierung zu profitieren?

Verrechenbare Smart Services, Betreibermodelle zur Nutzung von Maschinen, Nutzung von Online-Marktplätzen zur Vermarktung von maschinennahen, digitalen Produkten oder Services – all dies sind potenzielle innovative Geschäftsmodelle auf Basis Industrie 4.0. Dennoch fehlt bei vielen Unternehmen der Mut und das kreative Umfeld zum Out of the Box-Denken. Erfahren Sie hier, welches die entscheidenden Voraussetzungen und Rahmenbedingungen sind, um neue Geschäftsmodelle und Services zur Umsetzung einer erfolgreichen Industrie-4.0-Strategie zu entwickeln.

Die SINTEC Studie Smarter Services 2016 weist erstmals über ein Ursache-/Wirkungsmodell den tatsächlichen Nutzen von Industrie 4.0 und digitaler Transformation nach. Die untersuchten 211 Unternehmen wurden auf Basis von über 150 Einzelindikatoren nach dem Automatisierungsgrad ihrer produktionsnahen Prozesse sowie ihrer Overheadprozesse, ihrer Ausprägung der Erfolgsfaktoren für Industrie 4.0 und dem resultierenden Beitrag zu ihrem Unternehmenserfolg in vier Typen (Good Practices, Technologen, Marketeers und Bewahrer) eingeteilt. Die „Good Practices“ der deutschen Fertigungsindustrie erzielen durch Industrie 4.0-Szenarien nachweislich mehr Produktivität, höhere Verfügbarkeit und gestiegene Kundenzufriedenheit.

Innovationen sind die Unternehmens-DNA bei Amazon. Die drei Kernstrategien von Jeff Bezos bündeln alle nötigen Ziele: Start-Up-Charakter wahren, um jeden Preis wachsen und das Unternehmen trimmen auf Weltherrschaft. Der Weg hierfür läuft häufig über die anfangs unattraktiven, nicht sehr vielversprechenden Nischenmärkte. Auch die etablierten, marktführenden „Innovation Leader“ wie Siemens, Bayer, BASF oder die Großen der deutschen Autoindustrie kaufen mittlerweile vielversprechende Start-Up-Schmieden auf, um die Blaupause „Amazon“ für sich zu adaptieren. Doch meist sind sie gleich mehrfach in ihrer Rationalität gefangen:

Faktor Kundenorientierung

Die Weiterentwicklung und der gängige Innovationsprozess orientiert sich vor allem an den bisherigen Kernkunden und deren Anforderung, günstiger, performanter und hochwertiger zu werden. Doch an welchen Kunden hätte sich Jeff Bezos 1995 zum Markteintritt von Amazon orientieren sollen? Um seine eigenen, detaillierten Ideen zum „everything store“ nicht durch Ideen anderer zu Kompromissen degradieren zu müssen, löste er sich aus seinen ehemaligen Arbeitsumgebungen heraus. Er benötigte ein „unverklärtes Umfeld“, um das Internet in seinem Sinne kommerziell erschließen zu können.

Faktor Wertschöpfungslogik

Große etablierte Konzerne agieren nicht ohne weiteres in „einfacheren“ Segmenten unterhalb ihres Qualitätsanspruches. Ihr Erfolgsfaktor Innovation beruht auf Verbesserungen, die an den Anforderungen ihrer besten Kunden gespiegelt werden. Sie neigen zum Overengineering. Disruptive Innovationen belächeln sie gerne, da sie oftmals zu Beginn fehleranfällig sind. Amazon’s Collaborative Filtering System (CFS) war anfangs eher eine Krücke als eine echte Entscheidungshilfe. Die anfangs vom Tool ausgesprochenen Empfehlungen waren häufig zusammenhangslos und nicht nutzbar. So bekam jemand Kinderbücher über Tiger und Wildkatzen empfohlen, wenn er nach Fachliteratur über Tiermedizin mit dem Stichwort Tiger suchte. Heute generiert das Empfehlungstool erheblichen Zusatzumsatz – in die Algorithmen fließen neben verwandten Suchbegriffe zusätzliche Metadaten, Verbindungen aus Cookies mit zahlreichen Nutzerdaten sowie Kaufverhaltensmuster und Bewertungsmuster aus zugekauften Social-Reading-Plattformen ein. Aber wie lässt sich dieses Muster in die Industrie übertragen?

Faktor Managementsysteme

In klassischen Unternehmen gibt es höchst komplexe, gut durchdachte Planungs- und Entscheidungssysteme. Demnach bündeln sie Kräfte dort, wo sie grösstes Wachstum und höchste Margen vermuten. Wo aber (noch) kein Markt ist, kann man nichts analysieren. Und ohne vernünftige Analysen gibt es kein Budget – Sie kennen diese Spielregeln sicher nur zu gut.

Aber hätten Sie vor knapp 10 Jahren an den Erfolg von E-Book-Readern geglaubt? Einen Markt für digitales Lesen gab es damals nicht wirklich. Amazon besetzte eine Marktlücke und entwickelte sie zum Trend: mit dem Kindle Geschäftsmodell ist die gesamte Wertschöpfungskette des digitalen Lesens abgebildet. Die Kriterien mobil, günstig, schnell, kommunikativ sowie den gleichzeitigen Trend unserer Zeit nach mehr Selfpublishing setzt Amazon erfolgreich im Geschäftsmodell um: zeitgleich mit dem Kindle kam die Online-Bibliothek, die sich Kunden individuell einrichten können. Schon vor der Veröffentlichung verhandelte der Konzern mit zahlreichen Verlagen, um e-Books anzubieten, die allesamt zu einem einheitlichen Preismodell kaufbar waren. Unabhängigkeit via 3G, geräteunabhängige Sychronisation zwischen Tablet, Smartphone oder Kindle und letztlich das eigens geschaffene Amazon-Datenformat AZW ermöglichte Amazon den Lock-In-Effekt und damit einen weiteren erheblichen Wert, um Kunden zu begeistern. Meinen Sie, dass dies durch irgendein Planungs- und Entscheidungstool plan- und kalkulierbar gewesen wäre? Ist der „war of data“ für die deutsche Industrie vielleicht schon verloren?

Faktor Wachstums- und Ertragsorientierung

Kleine Nischenmärkte können den Wachstumshunger großer Unternehmen nicht stillen und versprechen ihnen demnach keine Erfolge. Oft sind bestimmte Kennzahlen wie Rentabilität, Umsatz, Gewinn und Betriebsergebnis sogar kurzfristig rückläufig. Amazon z.B. verzeichnete die ersten Jahre nach Einführung des eBook-Readers Kindle viele Verluste und nahm das in Kauf, nur um Kunden an das eigene Ökosystem zu binden. Wachstum im Sinne eines verbesserten Cashflows sowie größere Marktanteile anstelle von Gewinn bei gerade ausreichender Investorenbefriedigung lautet hier die Maxime. Der Konzern befreit sich so von der Notwendigkeit, sich für disruptive Innovation speziell aufzustellen, sondern ist von Natur aus schon so – eine Art langlebiges StartUp.

Die Digitalisierung bietet Unternehmen enorme Chancen, gleichzeitig verändert sie nachhaltig Kundenbedürfnisse, Geschäftsbeziehungen und Wertschöpfungsketten. Und sie verlangt vor allem, mit Altbewährtem zu brechen, was für die meisten Unternehmen die schwierigste Disziplin ist, waren sie doch bislang sehr erfolgreich damit. Die Disruption hat bereits in vielen traditionsreichen Branchen zugeschlagen. Deshalb ist davon auszugehen, dass nur diejenigen Unternehmen ihren Unternehmenserfolg weiterhin signifikant steigern können, die bereits sind, bestehende Produkt-Portfolios und traditionelle Geschäftsmodelle radikal zu überdenken und an der zunehmend digitalen, individualisierten und unabhängig agierenden Zielgruppe auszurichten.

­Erfahren Sie in unserem nächsten Beitrag der Artikelserie „Industrie 4.0 zum Anfassen“, welche Lösungswege es für die schnelle, einfache und flexible Entwicklung von innovativen Geschäftsmodellen sowie Implementierung von Industrie 4.0 Usecases gibt und welche Trends im Zuge der Studie Smarter Services 2016 ermittelt werden konnten.

Bildquelle: Shutterstock, Urheber: Lightspring

Wie mutig sind Sie? Wie Sie die technische Evolution wagen und meistern können, erfahren Sie hier!
Methoden & Techniken für ein agiles Morgen!

Smarter_Mittelstand_5
/von

SINTEC auf der Messe Smarter_Mittelstand – Digitalisierung 4.0

Als Aussteller besuchten wir die Messe "Smarter Mittelstand - Digitalisierung 4.0" in der Meistersingerhalle in Nürnberg, wo interessante Informationen zur Digitalisierung in mittelständischen Unternehmen ausgetauscht werden konnten. Unser Business Development Manager Dirk Kühnert vertrat SINTEC mit einem Fachvortrag zum Internet of Things.
Smarter_Mittelstand_5
/von

SINTEC auf der Messe Smarter_Mittelstand – Digitalisierung 4.0

Als Aussteller besuchten wir die Messe "Smarter Mittelstand - Digitalisierung 4.0" in der Meistersingerhalle in Nürnberg, wo interessante Informationen zur Digitalisierung in mittelständischen Unternehmen ausgetauscht werden konnten. Unser Business Development Manager Dirk Kühnert vertrat SINTEC mit einem Fachvortrag zum Internet of Things.
Smarter_Mittelstand_5
/von

SINTEC auf der Messe Smarter_Mittelstand – Digitalisierung 4.0

Als Aussteller besuchten wir die Messe "Smarter Mittelstand - Digitalisierung 4.0" in der Meistersingerhalle in Nürnberg, wo interessante Informationen zur Digitalisierung in mittelständischen Unternehmen ausgetauscht werden konnten. Unser Business Development Manager Dirk Kühnert vertrat SINTEC mit einem Fachvortrag zum Internet of Things.

Welche Themen finden Sie noch interessant? Schreiben Sie uns – wir freuen uns über Anregungen & Feedback!

Summary
Warum etablierte Unternehmen den Wettbewerb um bahnbrechende Innovationen verlieren
Article Name
Warum etablierte Unternehmen den Wettbewerb um bahnbrechende Innovationen verlieren
Description
Was macht Amazon so erfolgreich? Wann sind Innovationen disruptiv? Und was müssen etablierten Unternehmen anders machen als bisher, um von den Möglichkeiten der Digitalisierung zu profitieren?
Publisher Name
SINTEC Informatik GmbH
Publisher Logo